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| Das Ergötzen am Gambitspiel ist ein Zeichen der Schachjugend. (Emanuel Lasker) |
| Sächsische Schulschacholympiade - 3. Platz |
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Am 18 Januar fand die sächsische Schulschacholympiade in Flöha statt. Zum ersten Mal nahmen zwei Mannschaften aus Großenhan daran teil...
...Die Mannschaft von der Mittelschule "Am Schacht" reiste mit ihrem Schach-AG Trainer Olaf Gose zum Turnier. Es spielten David Gruhne, Chris Colossa, Lucas Wörngen, Justin Zorn und Phillip Gose in der Altersklasse U13.
Die Schachmannschaft vom Werner-von-Siemens Gymnasium spielte in der AK U15 unter meiner Betreuung.
Die Schachmannschaft von der Mittelschule schlug sich mit 3 Mannschaftspunkten und einem achten Platz von zehn achtbar. Am ersten Platz war sowieso nichts zu rütteln, da in der Mannschaft vom Nexö Gemnasium aus Dresden alles laute Champions spielten, die vom Sachsenmeister (Robert Scholz, Jannis Alekhanov, Seline Moses) bis zum Deutschen Meister (Theo Gungl) reichten. Auch in den anderen Mannschaften spielten viele Vereinsspieler, so daß es für die Schach-AG Kinder ungemein schwierig ist, die Punkte zu holen. Das Training in der Schule und im Verein ist kaum zu vergleichen.
Von daher kann man den Auftritt der Mannschaft von der Mittelschule als erfolgreich bezeichnen. Olaf Gose leistet in seinen Schach AGs in Großenhain eine hervorragende Arbeit, viiele seiner Schützlinge füllen die Kindermannschaften unseres Vereins und sind dort Leistungsträger. Mit der Grundschulmannschaft "Am Schacht" bei der Schulschacholympiade in Dresden schaffte er vor Kurzem einen 14. Platz unter 61 Mannschaften. Diese erste Teilnahme an der sächsischen Schulschacholympiade war ein Anfang, der sicherlich zu einer Tradition wird, die den Kindern eine zusätzliche, vielleicht sogar entscheidende Motivation gibt, das Schach weiterzuspielen und sich darin zu verbessern.
Zum Auftritt der Gymnasiumsmannschaft kann ich mehr berichten, da ich mich haupsächlich mit ihr beschäftigte, während die Mannschaft von Olaf in einem benachbarten Raum spielte. Den Auftritt kann man als sehr erfolgreich bezeichnen, da wir mit der ersten Teilnahme gleich den dritten Platz erzielt haben. Wenn man aber den Verlauf der Partien betrachtet, ist das sogar ein zum Teil enttäuschendes Ergebnis, da es viel mehr drin war. Von daher mache ich nun einen ausführlichen Bericht.
Die erste Runde spielten wir gegen das Pufendorf Gymnasium aus Flöha. An den ersten Brettern saßen 2 erfahrene Bezirksligaspieler Philipp Nobis (1618) und Felix Zimmermann (1316).
Fhilipp Nobis spielte gegen Paul-Lukas die Englische Eröffnung. Gekonnt erspielte er sich Raumvorteile und gewann verdient, da seine Spielstärke doch objektiv größer ist, als die von Paul-Lukas.
Währenddessen spielte Alexandra am dritten Brett bereits nach wenigen Zügen mit Schwarz auf Sieg. Ihr Gegner stellte früh seinen Springer ein, dann verlor er einen Turm und ein Paar Bauern. Alexandra machte es ein wenig spannend, indem sie keine Rochade machte und die gegnerische Dame plötzlich vor dem König auftauchte. Dem Gegner fehlte aber doch noch Material, so daß sein Angriff ganz schnell verpuffte.
Daniel spielte mit Weiß zu verhalten und zum Teil sogar sträfflich fahrlässig. Ohne Not und mit einfachen Angriffsmitteln büßte er 2 Bauern ein. Sein Gegner konnte diese steile Vorlage zum Sieg nicht ausnutzen, so daß Daniel es schaffte am Damenflügel die Bauernmehrheit seines Gegners zu beseitigen und es optisch nach einem Turmendspielremis aussah, auch wenn Felix am Königsflügel einen Mehrbauern hatte. Doch plötzlich schlug er sich selbst. Sein König wagte sich zu sehr nach vorne und wurde mit dem Turm mattgesetzt.
Nach Daniels überraschenden Sieg und den besten Aussichten auf Alexandra´s Erfolg lag es an Stefan, die ersten 2 Mannschaftspunkte einzufahren. Mit Weiß stand er sehr gut und vermutlich sogar auf Gewinn, was wir sicher ausnutzen konnten. Ich sagte ihm, das Remis anzubieten, was sein Gegner zuerst ablehnte, dann aber sich trotzdem einwilligte. So fuhren wir, wenn auch mit etwas Glück, 2 Mannschaftspunkte bei dieser Schacholympiade ein.
Die zweite Runde löste für uns die erste Mannschaft vom Ostwald Gymnasium Leipzig zu. An den ersten Brettern saßen mit Tom Waschieschek (1486) und Lennart Kapinos (1425) wieder starke Sachsenligaspieler.
Stefan kam blitzschnell mit Schwarz in Schwierigkeiten. Just vor dem Spiel habe ich ihn angewiesen, den Läufer auf e7 zu spielen, um dem Fesselungsproblem aus dem Weg zu gehen. Man sollte wahrscheinlich aber einen folgenschwern Fehler in einer wichtigen Partie machen, um ihn sich gut zu merken. Stefan spielte trotzdem Italienisch, bekam den Springer auf f6 gefesselt und musste mit dem Bauern g7 schlagen. Nachdem seine Königsstellung geöffnet wurde, machte er richtig einen Bock, indem er seinen König über f8 in Sicherheit bringen wollte, anstatt ihn ganz schnell in die Ecke verschwinden zu lassen und die Türme auf g-Linie zu verdoppeln. Diese Idee habe ich leider versäumt, ihm vorher beizubringen, da ich sicher war, daß Stefan mit dem Läufer auf e7 spielt. Bereits nach 10-15 Minuten lagen wir mit 0:1 zurück.
Alexandra spielte eine richtig gute Partie. Mit Weiß entwickelte sie einen Megaangriff auf die schwarze Königsstellung und erreichte damit eine Gewinnstellung. Olaf zeigte mir den richtigen Gewinnweg, den Alexandra leider nicht fand. Als ihr Angriff verflachte, hatte sie mit einer Minusfigur im Endspiel keine Chance mehr.
Während wir an den letzten Brettern Punkte verloren, standen unsere vorderen Bretter ganz gut. Sowohl Paul-Lukas, als auch Daniel hatten eindeutig die Initiative und einen großen Zeitvorsprung.
Im Bild darunter macht Paul-Lukas in einer aussichtsreichen Stellung urplötzlich Remis, das zwar objektiv sein könnte, aber in Anbetracht der drohenden Mannschaftsniederlage keinen Sinn macht, wobei die Position weiterzuspielen überhaupt nichts dagegen einzuwenden ist. Paul-Lukas riskierte dabei gar nichts, sein Gegner steuerte bereits auf die Zeitnot zu und musste richtig aufpassen. Das war ein ganz klar verschenkter halber Punkt.
Daniel handelte leider auch nicht viel glücklicher. Nach dem Abtausch aller Figuren verflachte zwar die Partie, dafür aber bekam Daniel einen entfernten Freibauern am Damenflügel, den er leichtsinnig eintauschte, anstatt zu versuchen, ihn zu verwerten. Danach enstand eine Remisstellung, die Daniel nicht mehr zu seinen Gunsten drehen konnte. Die höchste Zeitnot seines Gegners half auch nichts mehr. Das Fazit aus dieser Mannschaftsniederlage: wer seine Spielvorteile nicht nutzt, kann sich für die Endrunde nicht qualifizieren. Auf das ständige Glück kann man sich nicht richtig verlassen. Wie ein russisches Sprichwort sagt: "Hoffe auf den Gott, mach aber auch selbst etwas für deinen Erfolg."
Die nächste Runde gegen die zweite Mannschaft aus Flöha wurde klar mit 4:0 gewonnen. Der Klassenunterschied zwischen den Vereinsspielern und den Teilnehmern einer Schach AG war doch zu groß.
In der vorletzten Runde hatten wir mit dem späteren Sieger zu tun. Es war die Mannschaft vom M.-A.-Nexö Gymnasium aus Dresden. Bisher gewann sie alle drei Runden und führte souverän die Tabelle an.
An den Spitzenbrettern saßen zwei starke Vereinsspieler vom USV TU Dresden - Simon Birkenheuer (1547) und Niccolò Reiche (1532). Paul-Lukas spielte bereits gegen Simon genauso wie Daniel gegen Niccolò. Für Daniel war es das vierte Mal, wobei er sein erstes Spiel gegen Niccolò verlor (bei überlegener Stellung) und zwei letzten Partien gingen Remis aus. Übrigens, für Daniel sind die beiden direkte Konkurrenten um die Qualifikation für die SEM bei der nächsten BEM in Sebnitz Ende Februar.
Paul-Lukas konnte seine Figuren gut entwickeln und es sah für ihn vielversprechend aus, als plötzlich er seine Partie ganz schnell verlor. Wenn man im Bild oben die Damen und den weißen Turm auf d1 wegnimmt, auf e1 den weißen Springer stellt, ihn mit dem schwarzen Turm auf d1 fesselt, den König zur Verteidigung auf f1 schiebt und dann mit dem schwarzen Läufer auf b5 Schach gibt, dann sieht man, daß das Matt im nächsten Zug nicht abzuwenden ist. Eine Figur gefesselt und anschliessend Schachgebot sind einfache Mittel um in einer Partie zu gewinnen, diesmal traf es leider uns.
Stefan spielte mit Schwarz und macht in der Eröffnung folgenschwere Fehler. Zuerst verlor er völlig unnötig einen Bauern und konnte kaum seine Figuren entwickeln. Das führte dazu, das sein Gegner die schwarzen Bauern am Damenflügel wie Fallobst pflügte, woraufhin die weißen Bauern langsam aber sicher losmarschiert waren.
Sefan entdeckte plötzlich, daß er die gegnerische Dame mit seinem Turm mit direkten Angriffen belästigen kann, weil die weiße Dame das Feld g2 bewachen musste. Er praktizierte diese Taktik einige Zeit, bis sein Gegner auf f3 ging und drohte den Läufer zu schlagen. Der nächste logische Zug wäre gewesen mit dem Turm auf die dritte Reihe zu gehen um diese gemeine Taktik fortzusetzen, was Stefan aber leider nicht fand. Er lies seinen Läufer schlagen und fragte Remis, was sein Gegner dankend ablehnte. Die Partie schien entgültig gelaufen zu sein, so daß ich mich ab nun an auf den Partien von Daniel und Alexandra konzentrierte.
Daniel spielte sehr zähe, gab seinem Gegner kaum Chancen zur Entfaltung, gewann langsam aber sicher an Raum und Initiative in einem extrem positionellen Spiel mit schwarzen Steinen. Alexandra begann sehr gut und konnte im Mittelspiel mit einer beispielhaften Belagerung einen Bauern gewinnen, der sich zu sehr nach vorne vorgewagt hatte. Das Endspiel mit dem Läufer gegen den Springer musste für sie einfach zu gewinnen sein, als plötzlich die Nachricht von Stefan´s Sieg wie eine Bombe einschlug. Alle Kinder rannten dahin und die Dresdner Spieler wurden völlig entsetzt und fassungslos. Was war passiert? Mit einem Schachgebot bekam Stefan einen weißen Turm, was an seiner prekären Situation nichts änderte, ausser dass sein Gegner mit dem König in die Ecke musste.
An dieser Stelle holte sich Weiß die zweite Dame, wofür er extra zu einem benachbarten Tisch ging. Das hätte er sich sparen können, da er im nächsten Zug matt ist. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder aufs Neue - prüfe immer ALLE Schachgebote, das könnte auch matt sein. Wer diese Hauptregel im Schach missachtet, sollte sich nicht wundern, daß er seine Spiele verliert.
Das Spiel schien zu unseren Gunsten gedreht, als Alexandra doch einen schweren Fehler machte und ihren Läufer einstellte. Trotzdem war das Spiel noch lange nicht entschieden, da sie alle Chancen auf ein Remis hatte.
Sie schaffte es sogar, den schwarzen Springer zu beseitigen und einen Bauern in die Dame umzuwandeln, übersah aber dabei einen einzügigen Matt. So wurde es nichts mit einem überraschenden Sieg gegen Dresden. Daniel spielte weiter und musste seine Partie nun gewinnen, um für die Mannschaft einen Punkt zu sichern. Er lehnte alle Remisangebote ab und verbesserte seine Stellung kontinuirlich. Er schaffte es, seine Turm und Springer ins Hinterland seines Gegners zu führen, die wie gelähmt an Verteidigungsaufgaben gebunden waren. Danach marschierte die schwarze Majestät los, um höchstpersönlich den Sieg herbeizuführen.
Bei Niccolò lagen die Nerven blank. In höchster Zeitnot hielt er die Schachuhr an und versuchte die Schichtsrichterin zu überzeugen, daß Daniel auf Zeit spielt. Das gelang ihm logischerweise nicht, so daß Daniel mit der Bildung von zwei Freibauern 2-3 Züge später zeigte, daß er durchaus in der Lage ist, die Partie mit spielerischen Mitteln für sich zu entscheiden. Niccolò gab entnervt auf und wir konnten uns doch über einen auf diese Weise überraschend zu Stande gekommenen Mannschaftspunkt freuen. Wenn man bedenkt, daß Stefan´s Gegner das Remisangebot angenommen hätte, kann man sich vorstellen, was es für ein verrückte Runde war. Im Nachhinein gesehen, war der Sieg des Glückspilzes Stefan enorm wichtig gewesen, da wir sonst den dritten Platz wahrscheinlich verfehlt hätten.
Die letzte Runde gewannen wir gegen das Gymnasium Borna wieder mit 3,5:0,5 souverän, wobei diesmal der halbe Punkt Verlust von Stefan, als er seine Dame einstellte und prompt ein Remisangebot bekam, uns den zweiten Platz kostete, da EVA Leipzig gegen Dresden unentschieden spielte und uns einholte. Die Buchholzwertung war entscheidend. Am Ende wurde unsere Mannschaft Dritte. Das macht Mut und Zuversicht, daß wir mit den Gymnasiumsmannschaften ab nächsten Jahres jedes Mal immer dabei sind und ganz oben mitspielen. Ich empfehle nun allen unseren Vereinskindern, die aufs Gymnasium gehen (oder es vorhaben), sich im Schach anzustrengen und die Mannschaft besonders an den letzten Brettern zu verstärken, um sich eines Tages für die Deutsche Schulmeisterschaft zu qualifizieren. Das ist doch in einer Reichweite.
Sergej Schmidt
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