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Schnappschuss!

Anton Weigt

Zitat

Wie soll ich einen Mann respektieren, der nicht einmal Schach spielen kann? (Kelly Atkins)

28. Erfurter Jugendopen – Tag 4. Tag des Lehrgeldes. PDF Print Email

Am vorletzten Turniertag wurden wieder 2 Runden Schach gespielt. Daniel und Alexandra verloren ihre beiden Partien. Paul-Lukas gewann eine Partie, leistete sich aber ein Unentschieden in der anderen und muss sich nun von seinem Traum vom Kampf um den ersten Platz verabschieden…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

…Die fünfte Runde spielte Alexandra am dritten Tisch mit Weiß gegen Mathias Philipp vom SSV Wimaria Weimar. Er spielte am Ende sogar um den Sieg, stand viel besser als sein Gegner und machte mit einem Unentschieden den zweiten Platz.

 

 

 

Gegen ihn spielte Alexandra solide und mutig. Sie opferte ihren Springer für zwei Königsbauern, um die Wege zum gegnerischen König freizumachen. Daraufhin wurden sofort die Damen getauscht und es stand ausgeglichen. Für die Figur hatte Alexandra 3 Bauern gegen einen am Königsflügel sowie das Läuferpaar. Im enstandenen Positionsspiel spielte sie aber ungenau und ließ ihren Gegner mit all seinen Figuren ins Spiel kommen.

 

 

 

Auf diesem Diagramm hätte sie noch die letzte Chance gehabt, zu versuchen, den Spieß umzudrehen. Man schlägt erstmals den Turm raus, um den Turmabzug mit Schachgebot zu verhindern und danach kommt die Läufergabel. Schwarz muss hier mit Te2 ganz genau spielen, um den Springer nicht ersatzlos zu verlieren. Danach hat sie mit dem Läuferpaar noch Chancen auf ein Remis. Stattdessen schlug sie den Springer auf c6, was überhaupt keine Vorteile mit sich bringt und im enstandenen Endspiel mit einer Minusfigur hatte sie keine Chance mehr. Es war trotzdem eine ganz gute Partie, wo sie ihren Gegner sehr lange Zeit ernsthaft beschäftigte. Er war einfach zu stark für Alexandra.

 

Die nächste Runde durfte Alexandra wieder mit Weiß spielen. Gegen U18-Spieler Daniel Bekele (1184) vom SV Schott Jena stand sie lange Zeit überlegen. Ihr Gegner hatte vor Alexandra einen großen Respekt, wendete extrem viel Zeit auf und kam vor der Zeitkontrolle in Zeitnot.

 

 

 

Hier zog Alexandra Dc6, was zwar keine Verluststellung mit sich bringt. Der Dc5 würde aber die Partie endgültig zu ihren Gunsten entscheiden, da ihr Gegner keine Chance mehr hat, den Damentausch zu verhindern und Alexandra erhält einen Freibauern.

 

 

 

Stattdessen versuchte Alexandra direkt danach den Springer mit e4 zu beseitigen, um die Läufergabel zu machen und verlor einen Bauern. Sie übersah zudem die Springergabel auf e2 und verlor ihren Läufer ersatzlos. Das Endspiel war für sie Endstation. Ihr Gegner wurde übrigens Fünfter und belegte in der Mannschaftsauswertung unter 26 Mannschaften den ersten Platz. Unsere Mannschaft wurde für die Mannschaftswertung leider nicht berücksichtigt, da uns dafür ein Spieler fehlte.

Paul-Lukas spielte die fünfte Runde mit Schwarz gegen Johannes Buschmann (1135) von der SG Turm Leipzig.

 

 

Um seine Chance auf den 1. Platz zu bewahren, musste er unbedingt jede Partie gewinnen. Es wurde ein schwieriges Unterfangen. Gegen Johannes verlor er zwischenzeitlich 2 Bauern und musste sich anschliessend mit einem halben Punkt begnügen. Das unnötige Unentschieden in der 3. Runde, wo Paul-Lukas eine gewonnene Stellung versiebte, machte spätestens jetzt ganz deutlich, daß man in einem großen Turnier höchstens einmal ausrutschen darf. Nun muss er sogar bahnen, daß er nicht nach unten durchgereicht wird.

 

Zum Glück verstand Paul-Lukas, mit dem Druck professionell umzugehen. In der nächsten Runde, wieder einmal gegen einen sächsischen Spieler Julius Ploß (1154) vom SC 1994 Oberland spielte er seine Eröffnung zwar nicht optimal und geriet wieder auf die Verliererstraße.

 

 

Danach wendete Paul-Lukas aber enorm viel Zeit und Geduld auf, was sich am Ende auszahlte. Sein Gegner verschlampte seine überlegene Stellung im Turmendspiel und lief in eine Springergabel hinein. So verdiente Paul-Lukas seinen nächsten Punkt.

 

Daniel musste wohl das größste Lehrgeld an diesem Spieltag bezahlen, da seine Niederlagen absolut unnötig waren.

 

 

Gegen Viktor Schamschurko (1566) vom USV TU Dresden (der große Bruder von seinem Gegner am Vortag) erspielte er sich mit Schwarz eine sichere Stellung. Hier braucht er nur noch mit seinem Turm den schwachen Bauern auf a-Linie angreifen und Weiß kann überhaupt keine Vorschritte erziehlen. Wenn Daniel richtig Lust auf Sieg gehabt hätte, hätte er den a-Bauern  mit allen Figuren belagern können. Er zog dagegen den b6, tauschte einen Turm ab und nahm doch den a-Bauern, dafür gab aber seinen auf g-Linie.

 

 

Selbst danach blieb seine Stellung intakt und das folgende Diagramm zeigt sogar die Gewinnstellung im Endspiel für Schwarz, da der Springer in solchen Stellungen dem Läufer überlegen ist.

 

 

Weiß verliert hier zwangsläufig entweder seinen Läufer oder den h-Bauer, dafür ist aber viel Rechenarbeit vonnöten. Daniel machte es viel zu einfach, konnte sich auch eine Dame holen, die aber im nächsten Zug durch den Spieß wieder weg war und damit auch der volle Punkteverlust.

 

Das nächste Spiel mit Weiß gegen Markus Kempe (1494) vom Chemnitzer SC 95 begann erfolgsversprechend.

 

 

Daniel spielte bis zum 13. Zug sehr gut, entwickelte seine Figuren und bereitete den Angriff vor. Im 14. Zug musste er nur noch seinen Turm in die Mitte stellen und dann die Stellung seines Gegners auf den Zahn prüfen. Stattdessen begann er seinen Angriff ohne den Turm, den er in der ganzen Partie gar nicht mehr rückte. Wenn man mit einer Figur weniger spielt, ist es kein Wunder, dass es irgendwann eng wird. Am besten schenkt man dem Gegner diese Figur noch vor dem Spiel, dann spielt man zumindest vorsichtiger.

 

Markus wendete extrem viel Zeit für seine Züge auf, so dass er vor der Zeitkontrolle kaum eine Minute Zeit übrig hatte. Daniel hatte dagegen noch rund 40 Minuten. Er wollte keine Sekunde seiner Zeit dem Gegner zum Überlegen schenken und machte einen verhängisvollen Zug, nachdem er fast sofort augeben musste, da er mindestens seine Dame verliert.

 

 

 

Er zog T2g1. Schwarz spielte Td7, Dame ging auf f4 und dann kam vernichtend g5. Daniel hatte vorher eine bequeme Auswahl zwischen 3 Zügen (Tg3, Tf2, g3), die zwar nicht optimal sind aber ihn noch im Spiel gehalten hätten. Anstatt seine Zeit für die Auswahl des besten Zuges zu nutzen, spielte er genau umgekehrt, als ob er selbst in Zeitnot gewesen wäre. Ich bin sogar froh, dass es so passiert ist. Nun wird er schmerzhaft gelernt haben, wie man die Zeitnot des Gegners richtig ausnutzen soll. Diese ganz wichtige Erfahrung, die Daniel noch fehlte, muss man wirklich sehr teuer bezahlen, um sie besser in Erinnerung behalten zu können.

 

An diesem Tag sind wir mit Alexandra noch mal in die Eishalle gefahren, da es ihr dort am ersten Tag viel Spass machte. So ging der letzte Tag vor der Zeitumstellung und dem großen Finale zu Ende.

 

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