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| Dein Spiel ist nur so gut wie Dein schlechtester Zug. (Dan Heisman) |
| 10. Chemnitzer Jugend Open |
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Am 3 September fand das 10. Chemnitzer Jugend Open im Schnellschach statt. Zu der Jubiläumsausgabe dieses großartigen Turniers gratuliieren wir den Organisatoren Herrn Schätz herzlich. Es ist eine wunderbare Gelegentheit für die Vereine, ihren Nachwuchs vor dem Saisonbeginn einmal zu testen und auf die Betriebstemperatur zu bringen. Ausserdem treffen sich die Kinder wieder, sehen bekannte Gesichter und freuen sich...
... so wie Daniel eben hier. Hai Lam Bui ist unser guter Freund, gegen ihn verlor ich selbst eine Wertungspartie in meinem ersten Turnier. Ich habe seine Endspielkenntnisse unterschätzt und schenkte ihm leichtsinnig einen Bauern im Mittelspiel, den er später sicher verwerten konnte. Seitdem unterschätze ich keine Kinder mehr. Hai Lam gewann das Turnier in der AK U10, so dass ich ihm dazu herzlich gratuliere.
Für die Kinder wurden Spielplätze mit Betreuung organisiert, die sie gerne in Anspruch nahmen.
Jetzt aber gehen wir zum Schach über. Die Turnierehalle ist groß genug, um 331 Teilnehmer unterzubringen.
An diesem Turnier nahmen 5 (!) Deutsche Meister teil. Einer davon war Paul Zebisch (links), der gegen seinen Freund Paul Doberitz ein "taktisches" Unentschieden spielte. Sie beide standen am Ende auf den ersten 2 Plätzen. Paul Zebisch hatte einen Buchholz mehr auf dem Konto.
Noch einen Deutschen Meister aus Sachsen erwähne ich an dieser Stelle. Es war Theo Gungl vom USV TU Dresden, der dieses Jahr bei U10 den Titel gewann und nun unser Land auf internationalen Turnieren vertreten wird. Im ersten Spiel in der U25 hat er mit Schwarz eine überlegene Stellung gegen Paul Doberitz erspielt. In höchster Zeitnot machte er aber einen falschen Zug und verlor. 10 Sekunden vor Blättchenfall begann Theo zu schluchzen, kippte seinen König um und weinte danach bitterlich. Ein Deutscher Meister in seinem Alter darf es machen, wie die anderen Kinder auch .
Unseren Verein vertraten dieses Jahr drei Kinder: Daniel, Alexandra und Stefan. Während Alexandra in der AK U12 spielte, wechselten Daniel und Stefan zu U14. Für Stefan war es besonders schwierig, er ist noch nicht mal 12 Jahre alt, das Reglement ist aber hart. Wäre er 40 Tage später geboren worden sein, würde er noch in der U12 spielen. In der U14 konnte er 2 Siege feiern, musste aber dabei auch 5 herbe Niederlagen einstecken.
Alexandra spielte ein gutes Turnier. Nachfolgend zeige ich hier ein Paar interessante Stellungen. Im Bild darunter darf ihr ungeschützer Läufer nicht geschlagen werden, darum lässt Alexandra ihn einfach stehen. Das ist keine große Falle, das reicht aber diesmal. Alexandra gewinnt durch das Grundreihenmatt.
In der Partie gegen Marvin Kahl Von BSG Grün-Weiß Leipzig stand Alexandra lange Zeit auf dem verlorenen Posten, konnte aber das Spiel zu einem Remis noch umbiegen.
Die vorletzte Runde war sehr wichtig für Alexandra. Mit einem Sieg gegen starken Arvin Hugo Lehne hätte sie 4,5 Punkte erreicht, was ein Podestplatz bei den Mädchen in greifbarer Nähe bedeutete. Tatsächlich konnte sie sich materielle Vorteile verschaffen und musste nur noch das Endspiel richtig abwickeln.
Das gelang ihr leider nicht und sie verspielte ihre Vorteile, sie hätte aber zum Schluss durch eine ganz hinterlistige Falle noch echte Chancen auf Sieg gehabt.
Sie zog den König auf b6 und das war ein furchtbarer Fehler, da der Bauer mit Schach geschlagen wird und der Springer fällt gleich auch noch. Zieht sie auf die 8. Horizontale, darf der f-Bauer auf keinen Fall geschlagen werden, was man nicht sofort sieht. Alexandra hätte dann bestimmt gesehen, daß nach dem Turmschach und nachfolgener Springergabel, sie ganz einfach gewinnen wird. Sie löst öfters ungemein schwiriegere Taktikaufgaben zu Hause als diese hier.
Im letzten Spiel hatte Alexandra mehrmals die Chance auf einen Sieg, spielte aber zu verhalten und zögerlich, ohne die strategischen Fehler ihres Gegners zu bestrafen. Sie verlor nach dem Figureneinstellen die Partie. Es war aber verständlich, daß sie völlig unkonzentriert spielte. Der Tag war heiß, in der Spielhalle schwebte sehr schwere Luft, die Kinder waren einfach am Ende ihrer Kräfte. Mit 3,5 Punkte hat sie zwar kein optimales Ergebnis erreicht, sie wird aber immer besser und die spielerische Qualität, was Alexandra hat, wird sich mit der Zeit auf wichtigen Turnieren durchsetzen.
Daniel konnte seine ersten Partien mühelos gewinnen. Das Mattbild aus der zweiten Partie amüsierte Daniel sehr. So was hatte er noch nie vorher.
Die nächste Partie mit Weiß gegen den alten Bekannten Utz von Koslowski musste unbedingt mindestens Remis gespielt werden, um Daniel ein Festsetzen in der Spitze zu ermöglichen und dem Mitfavoriten Punkte zu klauen. Es ging am Anfang lustig zu, Kinder hatten anscheinend sehr viel Spass. Später erfuhr ich warum. Daniel stellte einzügig seinen Springer ein, Utz merkte es nicht. Danach konnte Daniel einen guten Angriff starten und bekam sogar ein Remisangebot ins Haus geflattert, das er ausschlug, was nicht gerade clever war. Einen Sieg hatte er noch lange nicht in der Tasche und so hätte er die Zeit und Energie für die nächsten wichtigen Spiele sparen können. Stattdessen liess er Utz seine Figuren umgruppieren und immer besser positionieren. Dabei versäumte Daniel seine eigene Stellung zu sichern, so dass er bald in Bedrängis kam. Am Ende durfte er das Lehrgeld in vollem Umfang bezahlen.
Die nächste Partie gegen Van Trang Truong vom VfB Schach Leipzig brachte für Daniel mit Schwarz ein trockenes Remis, da sie beiden im Springerendspiel nichts riskieren wollten.
Die fünfte Runde war dagegen hochinteressant. Daniel spielte mit Schwarz praktisch eine Kopie des Spiels zuvor, bis in das sehr komplizierte Springerendspiel hinein. Sein Gegner war Niccolò Reiche vom USV TU Dresden. Es ist bestimmt das sommersprossenreichstes Paar des gesamten Turniers gewesen.
Gegen Niccolò spielte ich meine allererste Partie in unserer 1. Mannschaft am 8. Brett. Er hatte damals Schnupfen und machte den Eindruck, als ob er in Tränen ausbrechen würde. Er tat mir sogar leid. Aber in Wirklichkeit ist er ein extrem harter Bursche. Ich habe früh gemerkt, dass ich bei ihm sehr aufpassen muss und verbrauchte viel Zeit beim Überlegen. Das lohnte sich, ich konnte eine Qualität gewinnen und es war nur die Frage der Zeit, daß ich die Partie für mich entscheide. Kurz vor Schluss stellte er den Läufer ungeschützt, zuckte sofort mit den Schultern zusammen und hielt sich am Kopf. Ich habe dann gesehen, daß ich seinen Läufer nicht schlagen darf, seine schauspielerische Qualitäten amüsierten mich. Ich konnte trotzdem seine Dame vom Hals nicht abschütteln. Die Schachspieler wissen ja, wie extrem schwierig es ist, alle Züge einer aktiven Dame im Endspiel zu berechnen. In höchster Zeitnot machte ich einen falschen Zug und lief ungebremst in das klassische erstickte Schachmatt hinein. Es war der 40. Zug, die Zeitkontrolle brachte mir nichts mehr.
Im Spiel gegen Daniel kam es, wie gesagt, zu einem hochkomplizierten Springerendspiel. Ich habe die nachfolgende Stellung mit Vorteil für Daniel eingeschätzt, da er einen entfernten Freibauern hatte und Niccolò war kurz vor Schluss in ärgster Zeitnot geraten. Jeder Zug musste sorgfältigst überlegt werden, sonst verliert man sofort. Ich habe aus einer vorläufigen Stellung vom Bild für Daniel einen Gewinnweg gefunden, das wäre aber ganz großer Sport gewesen, was man in so kürzer Zeit kaum schafft. Die Kinder kämpften bis zum Moment, wo auf dem Brett außer Könige nur ein einziger Springer verblieb.
Die nächste Partie gewann Daniel, so daß er sich wieder nach vorne vorkämpfte. Die letzte Partie musste zeigen, wo Daniel in der U14 seinen Platz findet. Als Gegner bekam er David Rosenfeld. Wenn ich schon dabei bin, meine Niederlagen gegen die Kinder zu offenbaren, muss ich dazu sagen, daß ich gegen David einmal im Schnellschachturnier verlor. Einfach einen Spieß übersehen, Quali verloren und das Endspiel war die Endstation.
Daniel spielte unkonzentriert und wurde dafür recht schnell bestraft. Die Stellung darunter verbirgt eine schöne Schlusskombination für Schwarz.
Daniel hatte auch unübersehbare Ermüdungserscheinungen nach diesem langen Tag. Sein Gegner ist aber wirklich stark geworden in der letzten Zeit. Sein Vater Alexander Rosenfeld spielt auf 2000 DWZ-Niveau, so dass David einen Schachunterricht Extraklasse zu Hause hat. Ich bin überzeugt, daß die SEM - Qualifikation in der U14 nur über David möglich sein wird. Es freut mich, daß wir in Sachsen immer mehr Kinder von einer hohen spielerischen Qualität kommen sehen. Die Endtabellen des Turniers sind hier einsehbar.
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