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| Gewinnen ist nicht alles... doch verlieren ist gar nichts. (Edmar Mednis) |
| Landesjugendspiele 2011 - Einzelturnier |
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Am nächsten Tag der Landessportspiele war das Einzelturnier im Schachwettbewerb angesagt. Das Wetter verschlechterte sich im Vergleich zum Vortag zunehmend. Es fiel das Wasser vom Himmel unaufhörlich und es war verdammt kalt. Ich dachte, daß das Beachvolleyballturnier direkt an unserer Spielstätte draußen ausfällt, es fand trotzdem statt. Respekt an die Teilnehmer, die barfuß ihre Partien absolvierten...
...Die Kinder spielten 7 Runden mit 20 Minuten Bedenkzeit in der AKs U10, U12 und U18, Mädchen getrennt.
Die erste Partie spielte Alexandra als Außenseiterin gegen Anja Hartewig vom Chemnitzer SC Aufbau. Sie unterlag zwar erwartungsgemäß, konnte dabei die Favoritin sehr lange beschäftigen.
Die nächste Runde verzögerte sich, da Alexandra einen Punkt fälschlicherweise gutgeschrieben wurde und sie als Gegnerin die beste Spilerin im Feld erwischt hat, nämlich die Sachsenvizemeisterin dieses Jahres und Sachsenmeisterin des vergangenen Jahres Anna Nobis vom SV Grün-Weiß Niederwiesa. Ich erwartete, daß die Runde neu aufgemischt wird, man beließ es trotzdem, da Anna die erste Runde ebenfalls verlor und die Begegnung durchaus vertretbar war. So durfte Alexandra einmal gegen eine ganz große Spielerin antreten und die Partie wurde für mich tatsächlich zu einer Überraschung des Tages.
Alexandra hatte glücklicherweise Weiß, so daß sie ihre Chance sofort im Angriff suchte. Ich sagte ihr vorher, daß sie nicht zu verlieren hat, so daß sie allen Respekt vor Anna ablegen sollte. Die Sachsenmeisterin soll nach der verlorenen Partie unter Druck stehen und nicht die Außenseiterin. Anna kam tatsächlich in Schwirigkeiten und musste viel Zeit aufwenden. Als sie nur 2 Minuten gegen 8 bei Alexandra hatte und blitzen musste, unterlief ihr ein schlimmer Fehler.
Alexandra hat geradeso eine Qualität mutig geopfert, um den Angriff zu verschärfen und ihre Gegnerin die Varianten berechnen zu lassen. Anna zog die Dame auf d6 und zuckte sofort mit den Schultern, so daß Alexandra nicht lange suchen musste warum. Die Dame war Pfutsch und Alexandra hatte einen starken Mehrläufer. Von da an stand Anna in Zeitnot glatt auf Verlust. Leider übersah Alexandra den richtigen Zug und ließ die Gegnerin ihre Türme besser postieren. Trotz gewaltiger Zeitvorsprung bietete sie Remis, was Anna annehmen musste, um durch Zeitnot nicht zu verlieren. Die ganz große Sensation blieb zwar aus, das Spiel hat Alexandra aber viel Selbstvertrauen gegeben. Sie weiß nun, daß die starken Spielerinnen die gleichen Brötchen backen.
Das nächste Spiel gegen Michelle Dietrich vom Chemnitzer SC Aufbau gewann Alexandra souverän.
In der vierten Runde gewann Alexandra gegen Anne Marie Amberg vom USG Chemnitz.
Die fünfte Runde durfte Alexandra wieder gegen eine der Top Favoritin antreten, und zwar gegen Leyla Kluge vom USG Chemnitz mit dem fast 500 DWZ-Punkte Unterschied. Diesmal gab es keine Überraschung, Alexandra kämpfte mit Schwarz tapfer, konnte aber die Niederlage nicht verhindern.
In der nächsten Partie hatte Alexandra eine Möglichkeit sich bei einem Sieg gegen die direkte Konkurrentin Donnice Hruschka abzusetzen. Leider machte sie einen groben Fehler und verlor frühzeitig ihre Dame, die sie nicht mehr kompensieren konnte. Das letzte Spiel konnte sie wieder für sich entscheiden. Nach allen drunter und drüber belegte Alexandra mit 3,5 Punkten den 11. Platz. Glücklicherweise musste sie keine Runde durch spielfrei aussetzen. Mit knapp 11 Jahren in der AK U14 ist das kein schlechtes Ergebnis, mit ein wenig mehr Glück hätte sie einen Platz unter den besten 10 erreichen können. Endstand Altersklasse u14 weiblich:
Unsere Jungs spielten in der größten U14 Gruppe mit insgesamt 86 Teilnehmern. Es gab ein Paar bemerkenswerte Partien, auf die ich jetzt eingehen möchte. Zunächst das Ergebnis von Michael. Es war für ihn das erste große Turnier (abgesehen von der gemütlichen Kreismeisterschaft in Coswig, wo er Kreismeister werden konnte). Diesmal spielte er im unteren Mittelfeld auf einer Welle zwischen schnellem Gewinn und genauso schnellem Verlust, so daß er das Superergebnis vom Mannschaftsturnier (5 Punkte am 2. Brett) nicht wiederholen konnte. Am Ende hatte er mit 3,5 Punkten einen 48. Platz.
Paul-Lukas gewann seine ersten Partien und traf in der dritten Runde auf seinen alten Bekannten, den Titelfavoriten Merlin Jannes Thamm vom USV TU Dresden. Mit Weiß konnte Paul-Lukas seine Einheiten sehr gut ins Spiel bringen, im Mittelspiel dagegen konnte er nicht so richtig ins Endspiel abwickeln, so daß er es verlor.
Die vierte Runde gewann Paul-Lukas wieder und traf in der fünften auf einen guten Heiko Schulte vom USV TU Dresden, der in der Endwertung in die Top 10 schaffte. Paul-Lukas spielte mit Weiß und stand im Mittelspiel mit einer Qualität besser, konnte es wieder nicht zu einem gewonnenen Endspiel abwickeln, so daß es am Ende ein Remis wurde.
Aus 2 letzten Runde holte Paul-Lukas noch einen Punkt und wurde 19. in der Endwertung. Nun zu Daniel. Die ersten 2 Partien gewann er als gesetzter Favorit und mußte in der dritten Runde gegen Niccolò Reiche vom USV TU Dresden antreten. Mit Weiß erspielte er sich einen großen Raumvorteil, schaffte einen gedeckten Freibauern und sicherte mit jedem Zug nach und nach seine Stellung, so daß ich keine Zweifel mehr hatte, daß er das Spiel auch für sich entscheidet.
Nachdem 2 Türme getauscht wurden und die Lage von Schwarz noch mehr kritisch geworden ist, da der König und der verbleibende Turm die Bauern blockieren mussten, hätte Daniel nur noch den f4 machen und seinen König heranführen müssen. Stattdessen dachte er sich eine schickaussehende Kombi aus, die gegen einen schwächeren Spieler ganz gut gehen würde, nicht aber gegen Niccolò, der die Konsequenzen berechnen konnte. Im entstandenen Getümmel verlor Daniel seine beiden vorgedrungenen Bauern und musste nun um Ausgleich kämpfen. Nach allen Abtauschaktionen hatte Schwarz 2 Doppelbauern und einen eintscheidenden Abwartezug, mit dem der weiße König aus dem Verwandlungsfeld verdrängt wurde. Das nächste Spiel gewann Daniel und mußte in der fünften Runde gegen den sächsischen Kaderspieler vom USG Chmenitz Oskar Essler antreten gegen den er übrigens am Vortag im Mannschaftsturnier verloren hatte. Es galt die Revanche zu nehmen und das Spiel wurde tatsächlich hochinteressant. Es flogen Fetzen, beide versuchten sich gegenseitig auszutricksen, machten mitunter Fehler, Daniel hatte zwischenzeitlich 2 Bauern mehr, die übrigens nicht ohne weiteres zu verwerten waren, da die schwarzen Figuren dafür aktiver standen.
Bei diesem Stand machte Daniel geradesoeben einen Fehler indem er den Turm auf T1 zog, anstatt vorher seine verbundenen Bauern zu sichern und mit b3 einen Zug zu machen, um den weifeldrigen Läufer einzudämmen. Die schwarzen Läufer wären bei geöffneten Diagonalen zu den Monstern geworden, so daß es auch ein Mehrbauer daran nichts ändern würde. Oskar nahm das strategische Geschenk nicht an und setzte stattdessen auf eine Kombi, die ihm einen Pferd versprach. Er stellte seinen Läufer auf b6 und drohte auf g3 den Springer zu nehmen. Stanislav Azimov sagte zu mir daraufhin, daß Daniel die Konsequenzen wahrscheinlich sieht und einen Bauern dazugewinnt, samt einen günstigen Abtausch Läufer gegen Springer, was er sowieso anstreben musste, um die Partie nicht zu verlieren. Daniel übersah aber den Dameneinschlag auf g3, den richtigen Zug fand er trotzdem und schug den Läufer mit dem Turm. Danach wurde am Damenflügel alles aufgeräumt und Daniel's Mehrbauer fiel auch, er hatte sich trotzdem gut aus der Affaire gezogen, da es langsam glatt Remis wurde.
Zum Schluss stand folgende Stellung auf dem Brett.
Für mich ist das Totremis, jemand kann gerne seinen Kommentar dazu geben. Weiß am Zug stellt einzügig Matt und das bewegte Daniel wahrscheinlich dazu, sich nochmals aktiv zu werden anstatt mit dem König zwischen h3 ung g3 zu wechseln. Er wollte kein Remis und verlor schließlich absolut unnötig, indem er seinen Springer f5 setzte, den König heranführte und durch einen Schachstich h5 den Springer verlor. So eine erneute krasse Fehlentscheidung gegen einen starken Gegner, was Daniel den Kampf um die Podestplätze kostete.
Das vorletzte Spiel gegen Marcus Weidner vom SV Dresden-Strießen 1990 musste gewonnen werden, um sich noch mal herankämpfen und mit den starken Gegnern messen zu können.
Daniel erspielte sich einen Mehrbauern, tauschte die Damen, machte aber an dieser Stelle im Bild einen Bock, indem er seinen Läufer auf b1 stellte und ihn mit dem Turm fesseln liess. Das ging noch geradeso zu reparieren mit dem Ta2, doch das versäumte er und musste die Qualität einbüßen. Es stand das Unentschieden auf dem Brett, da 2 schwarze Bauern am Königsflügel gegen einen weißen die Stellung noch halten konnten. Marcus bot daraufhin Remis, was Daniel unverständlicherweise ablehnte.
Mit Wut im Bauch wartete er noch mehrere Züge auf den Fehler des Gegners und der Wut ist an dieser Stelle ein schlechter Berater. Weiß musste überhaupt nichts machen, außer den ungedeckten schwarzen König von hinten mit Schachgeboten zu belästigen. Nachdem Daniel vergeblich versuchte, aktive Züge auszuführen, verschlechterte seine Stellung zunehmend, was er sofort merkte und seinerseits Remis anbot. Marcus nahm es aus Respekt vor dem Gegner an und ersparte Daniel damit eine wahre Blamage. Das gesamte Turnier für ihn wurde entgültig zum Turnier der Fehlentscheidungen in den wichtigsten Momenten. Damit meine ich nicht die bestimmte Spielzüge, die man versäumte zu machen, da man schließlich nicht genügend Spielstärke hat, sondern man lernt in bestimmten Situationen, die man erreichte, aufzuhören und nicht auf Biegen und Brechen zu versuchen, was von vornerein nicht geht. Im Nachhinein finde ich das gar nicht so schlecht, das Lehrgeld muss man so oder so bezahlen, besser ist wenn man es auf einmal macht.
Vor dem letzten Spiel waren die Ermüdungserscheinungen nicht zu übersehen.
Im letzten Spiel gab es für Daniel noch ein Wiedersehen aus dem Vortag, mit Christoph Lehmann, gegen den er ein "taktisches" Unentschieden spielte. Diesmal gewann Daniel und schloß mit 4,5 Punkten auf dem 20. Platz ab. Es waren 2 tolle aber auch sehr anstrengende Tage für die Kinder. In 2 Jahren finden die Landesjugendspiele hochwahrscheinlich in Dresden statt, so daß wir auf jeden Fall dabei sind.
Die Endergebnisse der U14 sind hier. |




